Dunkelzimmer
...mit verbundenen Augen, bekleidet nur mit einem Umhang, Ihren Bändern für den Hals, den Armen und den Füßen wurde sie an der Kette den Gang entlang geführt. Sie spürte nur den kalten Boden unter ihren bloßen Füßen und den Zug der Kette die an ihrem Halsband befestigt war. Es war still, erdrückend still. Sie hörte sich selbst atmen. Kurz und aufgeregt. Die Nacht um sie verunsicherte sie. Mit jedem Schritt wuchs ihre Unsicherheit.
Eine Hand stoppte sie plötzlich. Sie stand ganz still und hörte wie eine Türe sich öffnete. Ein warmer Luftzug strich ihr um die Beine. Trotzdem, oder gerade deswegen zog sich ein Schauer über ihren Rücken. Jetzt war es tatsächlich soweit- das Dunkelzimmer.
Sie wurde nur ein paar Schritte weiter gezogen, um gleich wieder verharren zu müssen. Ein etwas schwammiger Untergrund und Wärme konnte Sie erfühlen. Noch immer sprach er nicht zu ihr. Vielmehr drückte er sie hinunter auf ihre Knie. Automatisch wie schon lange erübt, spreizte sie ihre Beine. Ein Nesteln an ihrem Hals und ihr Umhang wurde entfernt. Was würde ihr Geliebter mit ihr machen fragte sie sich im stillen. Was würde geschehen? Würde sie es aushalten?
Ihre Hände wurden auf den Rücken gezogen und miteinander verhakt. Der Mann trat hinter sie und entfernte ihre Augenbinde. Sofort senkte sie ihren Blick zu Boden wie es ihren Regeln entsprach. Im ersten Moment konnte sie nichts erkennen obwohl ein schwaches Licht im Raum herrschte. Sie bemerkte nur noch wie die Türe geschlossen wurde. Warum hatte er nichts zu ihr gesagt... oder war er es am Ende gar nicht gewesen? Sie hatte auch den Geruch seines markanten After Shave vermisst.
Nachdem sich ihre Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten sah sie sich um. Sie befand sich in einem vieleckigen, fensterlosen Raum dessen Wände vom Boden bis zur Decke mit dunkelrotem Samt bespannt war. Selbst die Türe war nur schemenhaft zu erkennen, so nahtlos passte sie sich ebenfalls mit diesem Stoff bespannt in die gesamte Umgebung ein. Der Boden war ausgelegt mit Linoleum im Stil von schwarz weißen Kacheln. Nur in der Mitte, wo sie sich gerade befand, war ein rotes viereckiges flaches Kissen. Ebenso aus diesem roten Stoff wie die Wände ihres Zimmers in dem sie die nächste Zeit verbringen sollte. An der Decke war ein Haken angebracht. An diesem Haken eine schwere schwarze Kette. Diese Kette hing geradewegs über ihr. Ihr Blick wanderte weiter. Neben dem Haken starrte sie das dunkle Auge einer Kamera an. Als sie davon zum ersten mal hörte, verursachte es ihr ein unangenehmes Gefühl, jetzt wo es Realität geworden war, beruhigte sie es. Gab es ihr doch das Gefühl nicht ganz alleine zu sein.
Ihr Blick wanderte weiter. Schräg gegenüber stand ein Eimer. Ein Eimer wie man ihn von früher her kannte. Aus Zink, massiv und schwer. Der Henkel aus dem selben Material legte sich fast wie ein Halsband um den Eimer. Bei dem Gedanken um dessen Funktion überkam sie ein Schamgefühl. Dort sollte sie also ihre Notdurft verrichten... Vergebens suchte sie nach Papier. Aber wie sollte sie sich auch reinigen mit gebundenen Händen? Langsam wurde sie sich der Situation bewußt in der sie sich befand. Dies steigerte sich noch mehr, als sie auf die andere Seite der Wand sah. Sie erkannte zwei silberne Schüsseln. In einer konnte sie gerade noch fein geschnittenes Obst erkennen und in der anderen eine klare Flüssigkeit. Wasser. Wasser und Obst. Ein Bild der Peinlichkeit begann sich in ihr festzusetzen.
Welche Auswirkungen würde dies auf Ihre Verdauung haben? Welchen Anblick würde sie zwangsläufig in ein paar Tagen bieten? Langsam wurde ihr die Tragweite ihrer Situation voll bewußt. Und dann kam sie! Die Stille. Lautlos aus jeder Ecke ihres Gefängnisses. Diese schreiende Stille...
Sie wußte nicht wieviel Zeit vergangen war. Waren es schon Tage, oder erst Stunden? Sie setzte sich auf die Seite und begann die Wände zu betrachten. Diese stummen roten Wände. Sie würde wahnsinnig werden schoß es ihr durch den Kopf! Sie rutschte auf den Knien zu der Wasserschale, senkte ihr Gesicht über diese um die Flüssigkeit mit der Zunge aufzunehmen, ihr Hinterteil dabei hochgereckt, wie eine Katze.
Irgendwann mußte sie wohl eingeschlafen sein. Sie hatte nicht bemerkt wie jemand hereingekommen war, sie brutal und ohne Vorwarnung hochriss, ihre Hände an der Kette fixierten. Erst der scharfe Biss der Peitsche brachte sie in den richtigen Wachzustand. Ein Biss der nicht aufhören wollte, sich über ihren ganzen Körper verteilte, als wolle er jeden Quadratzentimeter erforschen. Sie zuckte instinktiv um dem nächsten Hieb die Kraft zu nehmen- vergeblich. Es nahm kein Ende. Tränen schossen aus ihren Augen, sie schrie und bettelte um Gnade. Aber je mehr sie bettelte, flehte, um so härter streichelte sie die Peitsche.
Als sie endlich zu sich kam, lag sie zusammengerollt wie ein kleines Kind, mit gefesselten Händen wieder in der Mitte des Raumes auf dem Kissen. Die Tage vergingen, wie auch unbemerkt unzählige Nächte... Sie wußte auch später am Ende des Wahnsinns nie wie lange sie in diesem Zimmer gewesen war. Man flüsterte ihr es waren Wochen...
Und diese Zeit lehrte sie die Demut erkennen und als Bestandteil ihres Lebens zu akzeptieren. Demut aus Liebe zu Ihrem Herrn.
Jetzt war sie gänzlich bereit den letzten Beweis zu erbringen. Den Beweis der selbstaufgabe für ihn. Den Beweis der bedingungslosen, nicht mehr zu lösenden Verbundenheit zu ihrem Herrn. Am nächsten Tag bat sie ihn auf Knien um das Zeichen ihres Bundes- dem Brandzeichen. Er gewährte diese Bitte ...
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